Anmerkungen zur Interpretation der Datensammlung
Professuren mit einer Voll- oder Teildenomination für Geschlechterforschung sorgen immer wieder für Diskussionen — in Medien, im Netz und in der Wissenschaftspolitik. Oft werden sie dabei mit Professuren in etablierten Einzeldisziplinen verglichen, um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um ein übermäßig gefördertes und stetig wachsendes Feld. Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen und auf die Einschätzung des Wissenschaftsrats zeichnet ein anderes Bild.
Ein interdisziplinäres Feld, kein Einzelfach
Geschlechterforschung ist kein eigenständiges Fach wie etwa Slawistik oder Paläontologie, sondern ein multi- und interdisziplinäres Forschungsfeld, das Fragen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen in ganz unterschiedlichen Disziplinen aufgreift. Professuren mit einer entsprechenden Denomination verteilen sich dementsprechend auf über 30 Fachdisziplinen — meist als Teildenomination innerhalb eines etablierten Fachs, seltener als eigenständige Volldenomination.
Strukturell nach wie vor schwach abgesichert
Der überwiegende Teil dieser Professuren liegt in den unteren Besoldungsgruppen (Juniorprofessuren, W2-Professuren); ein erheblicher Teil ist befristet. Der Wissenschaftsrat weist in seinen Empfehlungen von 2023 ausdrücklich darauf hin, dass es der Geschlechterforschung an verlässlichen institutionellen Strukturen fehlt — und empfiehlt gezielt den Ausbau von Professuren mit Denomination in Geschlechterforschung, vor allem in Fächern, in denen das Feld bislang kaum vertreten ist, etwa in den Technik-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie in der Medizin.
Ein konstant kleiner Anteil
Der Anteil der Professuren mit Teil- oder Volldenomination für Geschlechterforschung an der Gesamtzahl aller Professuren in Deutschland liegt seit dem Jahr 2000 unverändert bei rund 0,4 bis 0,5 Prozent. Statt eines wachsenden Feldes zeigt sich also ein strukturell kleines Forschungsgebiet, dessen institutionelle Absicherung der Wissenschaftsrat ausdrücklich für ausbaufähig hält.
Quelle: Wissenschaftsrat (2023): Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geschlechterforschung in Deutschland; Köln. https://doi.org/10.57674/9z3k-1y81